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"Mary Ward"-Schulen besinnen sich auf Ordensgründerin

"Mary Ward"-Schulen besinnen sich auf Ordensgründerin

"Mary Ward"-Schulen besinnen sich auf Ordensgründerin

Nach Namenswechsel des Ordens von "Englische Fräulein" auf "Congregatio Jesu" heißen künftig auch die Schulen in Krems und St. Pölten "Mary Ward"-Schulen
 
St. Pölten, 20.06.11 (KAP) Aus den seit mehr als 300 Jahren bestehenden Privatschulen der "Englischen Fräulein" in Krems und St. Pölten werden "Mary Ward Schulen": Damit wolle man die Gründerin des Ordens, Mary Ward, stärker in den Mittelpunkt rücken und den Institutionsbegriff gegen einen persönlichkeitsbezogenen Namen tauschen. Das erklärten Vertreter der Schulzentren und der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs als Träger der Schulzentren am Montag bei einer Pressekonferenz in St. Pölten.
 

Der Name "Englische Fräulein" geht zurück auf die Anfänge der Ordensgründung, dessen Stifterin Mary Ward (1585-1645) auch als Vorkämpferin der Frauenbildung bekannt ist: Für ihre Gemeinschaft strebte sie die Übernahme der jesuitischen Regeln an, was schließlich erst im 20. Jahrhundert erlaubt wurde.

Die beiden Schulzentren umfassen jeweils eine Volks- und Hauptschule, ein Oberstufenrealgymnasium und einen Hort, in St. Pölten gibt es zusätzlich ein Gymnasium. Insgesamt besuchen rund 1.700 Kinder Einrichtungen an den beiden Schulstandorten.

Grundsätzlich habe man viel mehr Anmeldungen als tatsächlich Schüler aufgenommen werden können, so die Schulvertreter.
 

Mary Ward, in England geboren, fasste mit 15 Jahren den Entschluss, ins Kloster zu gehen. Sie wollte auf dem europäischen Festland - zusammen mit ebenfalls adeligen Gefährtinnen - einen Orden ohne Klausur ins Leben rufen. "Das widersprach den damaligen Vorschriften", erklärte Sr. Felicitas Dornhackl CJ, Oberin des "Instituts der Congregatio Jesu St. Pölten", bei der Pressekonferenz. Das habe man den "Fräulein aus England" nicht zugestehen können.

"Ward hatte aber die Vision, nach der Spiritualität des Heiligen Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens, zu leben und den Namen der Jesuiten 'Societas Jesu' zu übernehmen", so Sr. Dornhackl. Sie kämpfte für die Anerkennung durch die Kirche, doch die Differenzen waren so groß, dass der Name Mary Ward schließlich nicht mehr genannt werden durfte.

 


Anerkannt und "verehrungswürdig"

 

 

Wards Lebenswerk wurde erst lange nach ihrem Tod anerkannt: Im 18. Jahrhundert erhielt der Orden die päpstliche Anerkennung, im 20. Jahrhundert übernahm der Orden die ignatianische Konstitution. Die Bezeichnung "Englische Fräulein" legte der Orden im Jahr 2004 ab und nahm den Namen "Congregatio Jesu" an. Derzeit gehören dem Orden in
Österreich rund 35 Schwestern an.
Mary Ward wurde schließlich auch in der Kirche rehabilitiert: "Am 19. Dezember 2009 wurde sie von der Kirche mit dem Titel 'Verehrungswürdige' ausgezeichnet, eine Vorstufe zur
Seligsprechung", so Sr. Dornhackl. Man freue sich jedenfalls über die Namensänderung der Schulen: "Ein Name prägt und gibt Profil. Er verpflichtet, sich mit der Person, mit ihrem Leben und ihrer Haltung auseinanderzusetzen."


 

Für mehr Offenheit und Traditionsbesinnung

 

Das St. Pöltner Institut wurde 1709 gegründet, 1722 bewilligte die Stadt Krems die Niederlassung. Die Namensänderung des Ordens sei auch der Anstoß für die Schulen gewesen, ihre Bezeichnung zu wechseln, berichtete Charlotte Ennser, Direktorin des Privatgymnasiums St. Pölten. "Auch ist die Bezeichnung 'Fräulein' im heutigen Sprachgebrauch rückläufig. Ebenso hatten besonders Buben oft Schwierigkeiten mit dem Schulnamen." Eine personenbezogene Bezeichnung solle die Offenheit für beide Geschlechter zum Ausdruck
bringen.

"Dass im Herbst das St. Pöltener Schulzentrum um den Schultyp Oberstufenrealgymnasium erweitert wird, ist ebenfalls ein Grund, jetzt eine Namensänderung durchzuführen", so Ennser. Weiters tragen die Schulen in Deutschland bereits seit längerem den Namen der Ordensgründerin in der Bezeichnung.

Inhaltlich sei mit der Fokussierung auf die Ordensgründerin eine "Beibehaltung, Vertiefung und Neubesinnung" auf die Tradition der Jesuiten- und Mary Ward-Schulen verbunden, sagte die Direktorin im Hinblick auf die ignatianischen Prinzipien, die u. a. durch großen Respekt für den jeweils persönlichen Weg und die Würde eines jeden Menschen geprägt sei.

 

 

Name mit Vorbildwirkung

 

"Wir sind davon überzeugt, dass Jugendlichen die Auseinandersetzung, die Vorbildfunktion und die Identifikation mit einer konkreten Person leichter fällt als mit einem  Institutionsbegriff", erklärte Rudolf Luftensteiner, Geschäftsführer der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs (VOSÖ). Die Vereinigung hat seit dem Schuljahr 2000/2001 die Trägerschaft der Schulzentren in Krems und St. Pölten inne.

Ziel der Vereinigung ist die Zukunftssicherung von Schulen. Sie führt heute insgesamt 32 Bildungseinrichtungen von acht verschiedenen Ordensgemeinschaften. "Wir setzen alles daran, dass es uns gelingt, keinen Einheitsbrei zu machen und eine möglichst authentische Begegnung mit dem Gründungsorden zu ermöglichen", so Luftensteiner. (Infos zum Orden: www.mariaward.de)

O-Töne sind in Kürze unter www.kathpress.at/audio abrufbar.

Quelle: Katholische Presseagentur, Wien, Österreich (www.kathpress.at)